Toter Winkel als Risiko: Abbiegeassistent kann Leben retten

So lange, wie es das Auto gibt, haben Ingenieure und Fahrzeugtechniker auch mit dem „Toten Winkel“ zu kämpfen. Der kleine, aber bedeutsame Bereich seitlich eines Fahrzeuges, egal ob Auto oder Lastwagen, ist für die Fahrer nicht einsehbar. Besonders beim Abbiegen kann ein Toter Winkel gefährlich werden: Befinden Sich Fußgänger oder Radfahrer in diesem Bereich kommt es fast unweigerlich zu einem Unfall, in den meisten Fällen mit Todesfolge. Moderne Abbiegeassistent können die Fahrer großer LKW darauf aufmerksam machen, wenn sich eine Person im Toten Winkel befindet. Doch der Einbau der Systeme läuft schleppend…

Die Zahlen der Statistik sprechen eine eindeutige Sprache: Jährlich sterben in Deutschland rund 140 Radfahrer oder Fußgänger, weil sie von einem rechtsabbiegenden Lastwagen erfasst und überrollt werden. Todesursache: Toter Winkel. Dabei ist den Fahrern in der Regel gar keine Schuld zuzusprechen. Die monströsen Fahrzeuge mit ihren meterhohen Führerhäusern bieten trotzdem keinen ausreichenden Überblick und der Tote Winkel wird für andere Verkehrsteilnehmer schnell zur Gefahr. Das Problem bei Unfällen, an denen ein Toter Winkel schuld ist: Radfahrer und Fußgänger werden nicht frontal erfasst, sondern vom hinteren Teil des Lastwagens überrollt. Die Gefahr kommt unbemerkt, sodass die Betroffenen gar keine Möglichkeit haben, um das Unglück zu vermeiden.

Stattdessen gibt es moderne Abbiegeassistenten, zum Beispiel von LUIS Technology GmbH, die Unfälle, welche durch den Einfluss eines Toten Winkels entstehen, vermeiden sollen. Befindet sich beim Abbiegen eine Person in jenem Bereich, der für den Fahrer nicht einsichtbar ist, ertönt ein lautes Warnsignal. Bereits zuvor wird der LKW-Fahrer im Kombiinstrument des Lastwagens durch eine Leuchte darauf aufmerksam gemacht, dass sich jemand im Toten Winkel befindet. Der Fahrer kann bremsen und das Unglück verhindern. Dafür sind zwei Radarsensoren an der Seite des LKW erforderlich. Insgesamt kostet das Assistenzsystem rund 2.000 Euro. Im Vergleich zu einem modernen Lastwagen, der rund 250.000 Euro kostet, ist das ein Schnäppchen.

(Noch) Keine Vorschrift für Abbiegeassistenten

Dennoch sind viele LKW auf deutschen Straßen nicht mit dem lebensrettenden System ausgestattet, denn viele Unternehmen und Speditionen scheuen sich noch vor den Kosten. Aufgrund der Konkurrenz aus Osteuropa, die oftmals zum günstigeren Preis arbeiten, sind die Verdienstmöglichkeiten für deutsche Unternehmen gering. Jeder Euro, der gespart werden kann, zahlt sich am Ende des Jahres aus.

Dazu kommt, dass es bislang keine gesetzliche Pflicht für die Nachrüstung mit einem Abbiegeassistenten gibt. Schon 2012 diskutierte die damalige Bundesregierung über einen entsprechenden Gesetzesentwurf und brachte das Thema sogar bis zum EU-Parlament. Vergeblich. Die Einführung einer Pflicht hat es nie gegeben. Dass das System überhaupt erst seit etwa zwei Jahren existiert, ist erschreckend. Selbst PKW sind zum größten Teil bereits mit einem „Toter Winkel“-Warnsystem ausgestattet. Es gab zwar schon 2007 entsprechende Abbiegeassistenten für LKW, doch eine Serieneinführung ist neu.

Die deutsche Bundesregierung hatte sich dennoch bemüht, eine Einführung der Pflicht auf EU-Ebene zu erwirken – mit Erfolg. Ein Gesetzesentwurf der deutschen Regierung wurde Anfang 2019 vom EU-Parlament und den Mitgliedstaaten durchgesetzt. Ab 2020 ist ein verpflichtender Einbau von Abbiegeassistenten in allen neuen Fahrzeugtypen vorgeschrieben. Ab 2024 soll der Einbau der Abbiegeassistenten auch in allen Neufahrzeugen erfolgt sein.

Toter Winkel – die rot markierten Bereiche sind aus Lkw unter 3,5t nicht einsehbar (Grafik wird von externem Server eingebunden – Sie ist ursprünglich vom ADFC Münsterland)

Eine Anschaffung zahlt sich mehrfach aus

Speditionen und sonstige Unternehmen, die eine entspreche Flotte an Lastwagen betreiben, sollten über die Anschaffung der „Toter Winkel“-Abbiegeassistenten – auch wenn es noch keine gesetzliche Vorschrift dafür gibt. Denn die Investition kann sich schlussendlich in mehrfacher Hinsicht auszahlen: Nicht nur, dass unschuldige Radfahrer und Fußgänger vor einem tragischen Unglück bewahrt werden. Auch betroffene Lastwagen-Fahrer, die Opfer eines Unfalls geworden sind, werden aufgrund von Schuldgefühlen und eines Traumas in der Regel berufsunfähig. Zudem kann die Nachrüstung für das Transport-Unternehmen zum Imagegewinn werden. Und in einigen Jahren sind die Systeme ohnehin vorgeschrieben.

Um das Thema zu fördern existiert von Seiten der der Bundesregierung ein Förderprogramm, dass allerdings immer schnell sein Kontingent erschöpft hat.

Auch Sie haben Fragen zu den „Toter Winkel“-Abbiegeassistenten oder wünschen weitere Informationen zum Thema Förderung? Nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf, wir stehen Ihnen jederzeit zur Seite.